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Inhaltsverzeichnis
5️⃣ KI und Recherche – das richtige Werkzeug für die richtige Frage
Drei Werkzeuge, drei unterschiedliche Logiken
Wenn du heute etwas wissen willst, hast du grob drei Möglichkeiten. Sie sehen oft ähnlich aus (du tippst eine Frage ein, du bekommst eine Antwort), funktionieren aber völlig unterschiedlich:
| Werkzeug | Was es macht | Was du zurückbekommst |
|---|---|---|
| Suchmaschine (Google, Ecosia, DuckDuckGo) | Durchsucht das Internet nach Seiten, die zu deinen Suchwörtern passen. | Eine Liste von Links zu echten Webseiten, die du selbst anschauen und bewerten musst. |
| Soziales Netzwerk (TikTok, Instagram, YouTube) | Zeigt dir Inhalte, die ein Algorithmus für dich ausgewählt hat. | Videos und Posts von anderen Nutzer:innen — oft unterhaltsam, selten geprüft. |
| KI-Chatbot (ChatGPT, Claude, Gemini) | Formuliert auf Basis der Texte, mit denen er trainiert wurde, eine Antwort — Wort für Wort (siehe Seite 0). | Einen fertig formulierten Text, der aussieht wie aus einem Lehrbuch, aber keine nachprüfbare Quelle hat. |
Der entscheidende Unterschied: Bei einer Suchmaschine siehst du sofort, woher eine Information stammt — du kannst auf die Quelle klicken. Ein Chatbot liefert dir dagegen eine Antwort ohne Absender. Du weißt nicht, ob der Satz aus einer wissenschaftlichen Studie, einem Reddit-Kommentar oder der Fantasie des Modells stammt.
Wofür eignet sich KI gut — wofür nicht?
KI ist gut geeignet, wenn …
- du einen Begriff erklärt bekommen willst (z. B. „Was ist Photosynthese?“).
- du einen Überblick über ein Thema suchst, bevor du tiefer einsteigst.
- du einen komplizierten Text in einfacherer Sprache zusammengefasst haben möchtest.
- du Ideen für ein Referatsthema sammeln willst.
- du Beispiele oder Vergleiche aus dem Alltag (Analogien) brauchst, um etwas besser zu verstehen.
KI ist schlecht geeignet, wenn …
- du konkrete Fakten brauchst (Jahreszahlen, Zitate, Studienergebnisse, Preise, Statistiken). Hier halluziniert KI besonders häufig.
- du aktuelle Informationen suchst — viele KI-Modelle kennen nur den Stand der Texte, mit denen sie trainiert wurden. Dieser Stand ist oft ein paar Monate oder sogar Jahre alt.
- du eine verlässliche Quelle für ein Referat, eine GFS oder eine Präsentation angeben musst. Ein Chatbot ist keine Quelle.
- du zu einem umstrittenen Thema (also einem Thema, bei dem es verschiedene Meinungen gibt) recherchierst. KI glättet solche Meinungsverschiedenheiten oft weg und liefert eine scheinbar „neutrale“ Antwort — der Streit bleibt dann unsichtbar.
Die goldene Regel: KI als Startpunkt, nicht als Endpunkt
Stell dir die KI wie einen Mitschüler vor, der sehr viel gelesen hat, aber manchmal Sachen durcheinanderbringt. Du würdest seine Aussagen nicht ungeprüft in dein Referat übernehmen — du würdest sie nachschlagen. Genauso solltest du mit KI-Antworten umgehen.
Ein sinnvoller Rechercheablauf sieht zum Beispiel so aus:
- Mit KI starten: „Erkläre mir in einfachen Worten, was die Weimarer Republik ausgemacht hat.„ → Du bekommst einen Überblick und die wichtigsten Begriffe.
- Quellen suchen: Mit diesen Begriffen gehst du in eine Suchmaschine, in die Schulbibliothek oder auf seriöse Seiten (Bundeszentrale für politische Bildung, Wikipedia, Fachportale).
- Gegenprüfen: Einzelne Behauptungen aus der KI-Antwort prüfst du gezielt an der echten Quelle.
- Zitieren: In deiner Arbeit zitierst du nur die echten Quellen, nicht die KI.
Wichtig: Ein Chatbot ist keine Quelle, die du zitieren darfst. Auch wenn er dir die Antwort liefert, musst du die Information an einer verlässlichen Stelle nachprüfen und diese als Quelle angeben. Alles andere gilt an vielen Schulen und Universitäten als Täuschungsversuch.
KI kann inzwischen auch suchen — aber Vorsicht
Manche Chatbots (z. B. ChatGPT mit Websuche, Gemini, Perplexity) können inzwischen während der Antwort selbst im Internet suchen und Quellen angeben. Das ist ein echter Fortschritt, bedeutet aber nicht, dass du nicht mehr aufpassen musst:
- Die KI wählt selbst aus, welche Seiten sie anschaut. Manchmal landet sie bei zweifelhaften Quellen.
- Die Zusammenfassung kann trotzdem Fehler enthalten — auch wenn die Quelle stimmt.
- Du solltest immer mindestens eine der angegebenen Quellen selbst öffnen und prüfen, ob die KI sie korrekt wiedergegeben hat.
Ein Experiment zum Ausprobieren
So merkst du, wie unterschiedlich die drei Werkzeuge antworten:
Stell die gleiche Frage an drei Stellen und vergleiche die Ergebnisse. Zum Beispiel:
„Wie entstehen Fake News und wie erkenne ich sie?“
- Google (oder Ecosia): Welche Seiten tauchen auf? Wer hat sie geschrieben? Gibt es wissenschaftliche Artikel, Nachrichtenseiten, Blogs?
- TikTok oder YouTube: Wer erklärt dir das Thema? Wie seriös (also vertrauenswürdig und fachlich fundiert) wirken die Quellen? Wie viele verschiedene Meinungen siehst du?
- ChatGPT (oder Claude): Wie klingt die Antwort? Werden Quellen genannt? Welche Aspekte fehlen?
Schreibe zu jeder Quelle drei Sätze: Was war gut? Was war problematisch? Welchem Werkzeug würdest du bei dieser Frage am ehesten vertrauen — und warum?
Worauf du bei jeder Quelle achten solltest
Egal, ob du bei Google, TikTok oder ChatGPT recherchierst: Diese Fragen helfen dir, die Qualität einer Information einzuschätzen.
- Wer hat die Information verfasst? Gibt es einen erkennbaren Autor oder Herausgeber?
- Wann wurde sie veröffentlicht? Ist sie noch aktuell?
- Welche Interessen könnten hinter der Information stehen (Werbung, eine bestimmte politische Meinung, viele Klicks und damit Geld)?
- Wird die Information auch anderswo bestätigt, oder taucht sie nur an einer einzigen Stelle auf?
- Passt das Ergebnis zu dem, was du erwartet hast — oder wird dir zu bequem genau das geliefert, was du hören willst?
Quiz zur Selbstüberprüfung
Teste dich selbst:
- Was ist der wichtigste Unterschied zwischen einer Suchmaschine und einem KI-Chatbot?
- Warum darfst du einen Chatbot in deiner GFS nicht als Quelle angeben?
- Bei welchen Arten von Fragen solltest du KI nicht als Hauptquelle nutzen?
- Wie sieht ein sinnvoller Ablauf aus, wenn du KI in deine Recherche einbaust?
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