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Vortragsstile und Foliengestaltung
Auf dieser Seite lernst Du verschiedene Vortragsstile kennen und siehst an Beispielen, wie gute Folien aussehen können. Ziel ist, dass Du für Deine GFS oder Dein Referat einen Stil findest, der zu Deinem Thema, Deinem Ziel und zu Dir passt.
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Warum die Form zählt
“A person can have the greatest idea in the world. But if that person can’t convince enough other people, it doesn’t matter.” — Gregory Berns
Der Inhalt einer Botschaft ist nur ein Aspekt. Die Form der Darbietung entscheidet oft darüber, ob der Inhalt überhaupt wahrgenommen und ernst genommen wird. Form ohne Inhalt ist nutzlos – aber Inhalt ohne angemessene Form überzeugt selten.
“The single most important thing you can do to dramatically improve your presentations is to have a story to tell before you work on your PowerPoint file.” — Cliff Atkinson, Beyond Bullet Points
Erst die Geschichte, dann die Folien: Überlege Dir zuerst, was Dein Publikum am Ende wissen, verstehen oder tun soll. Erst danach entscheidest Du, wie Du es zeigst.
Stil folgt Zweck
Es gibt nicht den richtigen Präsentationsstil. Welcher Stil passt, hängt davon ab, was Du erreichen willst. Die folgende Tabelle hilft Dir bei der Auswahl. Die Beispiele dazu findest Du in der Stilgalerie weiter unten.
| Du willst … | Passender Stil |
|---|---|
| eine These zuspitzen und Tempo erzeugen | Schnellfeuer (Lessig / Takahashi) |
| einen naturwissenschaftlichen Zusammenhang erklären | Aussage + Beleg |
| Zahlen und Entwicklungen verständlich machen | Daten erzählen |
| Atmosphäre schaffen und Emotionen wecken | Bildstarke Folien |
| etwas Greifbares zeigen oder vorführen | Requisiten und Demonstration |
| eine persönliche Geschichte erzählen | Ohne Folien |
| ein Modell Schritt für Schritt entwickeln | Flipchart / Live-Zeichnen |
| ein sperriges Thema unterhaltsam vermitteln | Science Slam |
Stilgalerie
Schnellfeuer: Lessig- und Takahashi-Methode
Kennzeichen:
- sehr viele Folien, jede ist nur wenige Sekunden zu sehen
- pro Folie nur ein Wort, eine Zahl, ein kurzes Zitat oder ein Bild
- die Folien folgen exakt dem Sprechrhythmus
Passt gut zu: Argumentationen, Thesen, Meinungsreden, kurzen Vorträgen mit klarer Botschaft.
Achtung: Dieser Stil verzeiht keine Unsicherheit. Du musst Deinen Text sehr gut beherrschen, sonst passen Folien und Sprechen nicht zusammen.
Beispiel: Lawrence Lessig: Laws that choke creativity (TED 2007, ca. 19 Minuten, deutsche Untertitel wählbar) [TODO: Zeitmarke für Ausschnitt eintragen, z. B. „ab 2:00 bis 8:00“]
Hintergrund: Garr Reynolds über die Takahashi-Methode (archivierte Fassung) [TODO: optional archivierten Link zu Reynolds’ Artikel „The Lessig Method of presentation“ ergänzen]
Aussage + Beleg (Assertion-Evidence)
Kennzeichen:
- Die Überschrift jeder Folie ist ein ganzer Satz, der die Kernaussage enthält (statt eines Stichworts wie „Ergebnisse“).
- Darunter steht ein visueller Beleg: ein Foto, eine Grafik, ein Diagramm, eine Skizze.
- keine Aufzählungslisten
Passt gut zu: NwT, Biologie, Geographie, Physik, Chemie – überall, wo Du Zusammenhänge erklären und belegen musst.
Achtung: Die Aussage-Überschrift sollte höchstens zwei Zeilen lang sein. Wenn Du mehr brauchst, gehören die Inhalte auf zwei Folien.
Beispiele: Modellvorträge auf assertion-evidence.com (englisch) [TODO: einen konkreten Modellvortrag auswählen und hier direkt verlinken]
Vorlagen und Anleitung: The Assertion-Evidence Approach (Michael Alley, Penn State)
Daten erzählen
Kennzeichen:
- Zahlen werden nicht vorgelesen, sondern gezeigt und kommentiert.
- Die Grafik entwickelt sich während des Vortrags (Animation, Schritt für Schritt).
- Der Vortragende führt den Blick des Publikums: „Schaut hier …“
Passt gut zu: Geographie, Gemeinschaftskunde, Wirtschaft, Statistik – überall, wo Entwicklungen und Vergleiche wichtig sind.
Achtung: Weniger Daten sind mehr. Zeige nur die Werte, die Deine Aussage stützen.
Beispiel: Hans Rosling: 200 Countries, 200 Years, 4 Minutes (BBC, ca. 5 Minuten) [TODO: Link prüfen – ggf. durch Video auf offiziellem BBC- oder Gapminder-Kanal ersetzen]
Längere Fassung: Hans Rosling: The best stats you’ve ever seen (TED 2006) [TODO: Link prüfen]
Selbst ausprobieren: Gapminder Tools – hier kannst Du solche Grafiken selbst erstellen.
Bildstarke Folien
Kennzeichen:
- großformatige Fotos, die die ganze Folie füllen
- wenig oder gar kein Text
- viel Weißraum, ruhiges, einheitliches Design
Passt gut zu: Einstiegen, emotionalen Themen, Reiseberichten, Produktvorstellungen.
Achtung: Bilder brauchen eine Quellenangabe und müssen verwendet werden dürfen (siehe Grundlagen des Urheberrechts).
Beispiel: Steve Jobs: Vorstellung des iPhone (Macworld 2007) [TODO: stabilen Link einfügen + Zeitmarke, z. B. die ersten 5 Minuten]
Requisiten und Demonstration
Kennzeichen:
- ein echter Gegenstand, ein Experiment oder eine Vorführung steht im Mittelpunkt
- Folien sind Nebensache oder fehlen ganz
- das Publikum erlebt etwas, statt nur zuzuhören
Passt gut zu: NwT, Biologie, Physik, Kunst, Technik.
Achtung: Probe die Demonstration vorher mehrfach unter echten Bedingungen. Plane einen „Plan B“, falls etwas nicht funktioniert.
Beispiel: Clifford Stoll: Clifford Stoll on … everything (TED 2006) – ein bewusst chaotischer Vortrag: gut geeignet, um zu diskutieren, was hier funktioniert und was nicht. [TODO: Link prüfen + Zeitmarke]
[TODO: optional ein zweites, neueres Beispiel ergänzen]
Ohne Folien
Kennzeichen:
- keine Visualisierung, die volle Aufmerksamkeit liegt auf der Person
- Wirkung entsteht durch Erzählen, Humor, Pausen, Blickkontakt
- klare Struktur, die man auch ohne Gliederungsfolie hört
Passt gut zu: Reden, persönlichen Erfahrungsberichten, Debattenbeiträgen.
Achtung: Ohne Folien fällt jede Schwäche beim Sprechen sofort auf. Dieser Stil braucht besonders viel Übung.
Beispiel: Ken Robinson: Do schools kill creativity? (TED 2006) [TODO: Link prüfen + Zeitmarke]
Flipchart und Live-Zeichnen
Kennzeichen:
- eine Skizze oder ein Modell entsteht live vor dem Publikum
- das Publikum kann jeden Denkschritt mitverfolgen
- funktioniert auch ganz ohne Technik (Tafel, Flipchart, Dokumentenkamera)
Passt gut zu: Modellen, Kreisläufen, Abläufen, Mindmaps.
Achtung: Übe die Zeichnung vorher. Sie muss nicht schön sein, aber groß und lesbar.
Beispiel: Simon Sinek: How great leaders inspire action (TEDx 2009) [TODO: Link prüfen + Zeitmarke]
Science Slam
Kennzeichen:
- Forschende stellen ihr Thema in höchstens zehn Minuten vor
- Ziel: verständlich und unterhaltsam – das Publikum entscheidet, wer gewinnt
- alle Hilfsmittel sind erlaubt: Folien, Requisiten, Kostüme, Experimente
Passt gut zu: schwierigen oder „unangenehmen“ Themen, die durch Humor zugänglich werden.
Achtung: Humor muss zum Thema passen und darf den Inhalt nicht verdrängen.
Beispiel: Giulia Enders: Darm mit Charme (Science Slam Berlin 2012, deutsch, ca. 13 Minuten)
Aktuelles Beispiel: [TODO: einen aktuellen Science-Slam-Vortrag (2025/26) auswählen und verlinken]
Formatübung: PechaKucha (20 × 20)
Bei PechaKucha zeigst Du genau 20 Folien, die automatisch nach je 20 Sekunden weiterschalten. Ein Vortrag dauert also 6 Minuten und 40 Sekunden – keine Sekunde mehr. Das Format zwingt Dich, Dein Thema radikal zu reduzieren.
Übung: Bereite zu Deinem GFS-Thema einen PechaKucha-Vortrag vor. Was bleibt übrig, wenn Du nur 20 Bilder und 400 Sekunden hast?
Mehr dazu: pechakucha.com [TODO: optional ein Beispielvideo verlinken]
Vorher – Nachher: Folien verbessern
An den folgenden Beispielen siehst Du, wie sich eine schwache Folie mit wenigen Änderungen verbessern lässt.
Für jedes Paar eine Vorher- und eine Nachher-Folie erstellen (Format 16:9, als PNG exportieren) und im Medien-Manager unter arbeitsmethoden:praesentation ablegen. Dateinamen wie unten angegeben verwenden – dann erscheinen die Bilder automatisch.
1. Textwüste → eine Kernaussage
Eine Folie mit vielen Stichpunkten wird zum Lesetext – das Publikum liest, statt zuzuhören. Besser: eine Kernaussage pro Folie, den Rest sagst Du.
2. Stichwort-Überschrift → Aussage-Überschrift
3. Überladenes Diagramm → reduziertes Diagramm
Zeige nur die Daten, die Deine Aussage stützen. Hebe den wichtigsten Wert farbig hervor, alles andere wird grau.
4. Schlecht lesbar → gut lesbar
Starker Kontrast, große Schrift (mindestens [TODO: Mindestschriftgröße festlegen, z. B. 24 pt]), keine Schrift auf unruhigem Hintergrund.
5. Effekte und Clipart → ruhiges Design
Animationen, Schatten und Clipart lenken ab. Ein einheitliches, ruhiges Design wirkt professioneller.
6. Bild ohne Quelle → Bild mit Quellenangabe
Jedes fremde Bild braucht eine Quellenangabe – klein, aber vollständig. [TODO: auf Seite zur Quellenangabe verlinken, falls vorhanden]
Aufgaben: Vorträge analysieren
- Sieh Dir drei Vorträge aus der Stilgalerie an. Meist reicht ein Ausschnitt von 5 bis 8 Minuten; schau Dir möglichst sowohl den Anfang als auch den Schluss an. Achte dabei auf die folgenden Aspekte und mache Dir Notizen in einer Tabelle (Vorlage siehe unten):
- Struktur: Ist eine Gliederung erkennbar? Gibt es einen Einstieg, einen Hauptteil, einen Schluss? Wie sind sie gestaltet?
- Rhetorik: Wie spricht die Person (Sprechtempo, Blickkontakt, Tonlage, Pausen, Gestik)?
- Visualisierung: Wird der Vortrag visuell unterstützt (Folien, Filme, Gegenstände, Zeichnungen)? Wie ist die Visualisierung gestaltet?
- Notiere für jeden Vortrag, welche Elemente Du nachahmenswert findest und welche Du als Referent:in eher vermeiden möchtest.
- Beschreibe die Atmosphäre jedes Vortrags mit einem einzigen Adjektiv. Wähle ein aussagestarkes Wort: „langweilig“ ist schwach, „monoton“ ist stärker; „interessant“ ist schwach, „aufrüttelnd“ ist stärker.
- Bewerte die Vorträge noch einmal als Ganzes, ohne sie zu „zerpflücken“:
- Hast Du gerne zugehört?
- Fandest Du den Vortrag ansprechend? Warum?
- Falls sich dieses Gesamturteil von Deiner Analyse in Aufgabe 2 unterscheidet: Woran liegt das?
- Wähle für Dein eigenes GFS- oder Referatsthema einen Stil (oder eine Kombination von Stilen) aus und begründe Deine Wahl in drei bis fünf Sätzen.
Vorlage für Deine Notizen:
| Vortrag | Struktur | Rhetorik | Visualisierung | Nachahmenswert | Vermeiden | Ein Adjektiv |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ||||||
| 2. | ||||||
| 3. |
Bildquellen und Urheberrecht
Für Deine Folien brauchst Du Bilder, die Du auch öffentlich verwenden darfst. Einen Überblick über die rechtlichen Grundlagen gibt die Seite Grundlagen des Urheberrechts.
Eine Sammlung von Bildquellen, deren Inhalte Du in der Regel frei verwenden darfst, findest Du hier.
Weiterführende Materialien
- Fünf Regeln für gute Präsentationen – Grundregeln für die rhetorische Gestaltung eines Vortrags [TODO: Link prüfen]
- Gestaltungsprinzipien für Präsentationen – Grundlagen für die visuelle Gestaltung [TODO: Link prüfen]
- GFS – alles Organisatorische rund um die GFS
- [TODO: weitere Materialien ergänzen oder diesen Punkt löschen]












